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  1. Das Christentum ist keine Buchreligion, sondern eine Nachfolge- und Beziehungsreligion.
  2. Der Untergang des liberalen Christentums geht mit der Kultkritik und der Gebetskritik einher (Predigt und Lehre ist wichtiger als die Eucharistie, Kants Kritik des Kultstatus und des Gebets, Schimpfworte wie Betschwestern und Kerzenschlucker auch im katholischen Bereich).
  3. Die Reformation ist ein Rückgriff auf den Kult der jüdischen Buchreligion (Sola Skriptura wie HEILIGER Tanach, Buchdruck und Zeitungen machen Medienkulte möglich).
  4. Der Islam ist eine Nachahmung des Judentums (HEILIGER Koran, Bilderverbot).
  5. In den 60er Jahren entwickelte die Katholische Kirche einen Buchkult (HEILIGE Schrift, Wortgottesdienst statt Andacht, Gründung des österreichischen Bibelwerks, in Deutschland Bibelbewegung schon 1933).
  6. Die Tragik des Buchkultes sieht man in der evangelischen Auseinandersetzung mit der historisch-kritischen Methode (Bultmann). Der Inhalt des heiligen Buches löst sich auf und die Predigt hat keine Zuhörer.
  7. Die Zukunft des Christentums besteht in der Erneuerung des Kultes der Eucharistie, des Brotkultes.
  8. Die Eucharistie besteht aus Beziehungsaktionen zwischen dem dreifaltigen Gott und den Menschen.
  9. Die teilweise Usurpation der Eucharistie durch die Hierarchie darf die Beziehungsaktionen nicht behindern.
  10. Das Christentum hat als Hintergrundfolie die gesamte Religionsgeschichte. Viele Aspekte fließen in den zentralen Kult mit ein (Opferkult, Buchkult). Inwiefern das dem Christentum abträglich ist, muss untersucht werden.
  11. Das Judentum hat trotz Buchkult den Opferkult nicht nur im Hintergrund, sondern in der messianischen Zukunft (messianischer Tempel) und im Inhalt der heiligen Schrift.
  12. Der Islam mit seinem Buchkult hat zusätzlich einen Opferkult (Opferfest) und wie das Judentum einen starken Rechtskult (Scharia).
  13. Dem Judentum und dem Islam fehlt schmerzhaft ein Beziehungskult. Dadurch kommt es zu Kämpfen zwischen Schia und Sunna, zwischen Islam und dem Westen und zwischen Islam und Judentum.
  14. Die Orthodoxe Kirche leidet unter einem intellektuellen Manko. Der Bilderkult und die Ablehnung von Augustinus, der die Trennung von Kirche und Staat einläutete, hält die Orthodoxie unter der Knute des Herrschers (Kaiser, Zar, Putin). Sie konnte sich nicht mit einer eigenständigen Kirchenlehre entwickeln.
  15. Die evangelischen und reformatorischen Kirchen haben wie Islam und Judentum mit ihrem Buchkult eine innere Spaltung, die sich bei der Diskussion um die Evolution zeigt.
  16. Die Kulte (Bilderkulte, Buchkulte, Gesetzeskulte, Beziehungskulte) überleben. Die Predigten verwehen.
  17. Der Islam überlebt nicht wegen dem Buchkult, sondern weil er einen strengen Gesetzeskult hat.
  18. Starke Schriftkult-Gemeinden bilden Inseln mit vielen Kindern in der säkularen Welt: Orthodoxe Juden, Hutterer, Amish, Moslem, Zeugen Jehovas, Mormonen.
  19. Die säkulare Welt hat nationale Kulte (Wir sind Österreich, Wir sind Kaiser, Willkommen Österreich) und selbstoptimierende Kulte (Schulen und Kurse) ohne Transzendenz entwickelt.
  20. Die säkulare Welt entwickelt auch kultähnliche Veranstaltungen in den Bereichen Kunst, Sport, Musik, die ebenfalls kaum Transzendenz entwickeln. Ausnahmen sind Jedermann in Salzburg oder Musikstücke wie der Messias von Händel oder Parzival von Wagner.
  21. Der Islam fesselt ähnlich wie das orthodoxe Judentum die Produktivkräfte (Bilderverbot, Einschränkung der Frauenrechte, Ess- und Kleidergebote)
  22. Der Opferkult und die Menschenopfer leben in der Todesstrafe weiter.

Hannes Daxbacher