Christliche Gedächtnisfeiern

Die Feier der Eucharistie, in der wir „danksagen“, ist, wie das II. Vatikanum in LG (Lumen Gentium) 11 feststellt, Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens. In der Messfeier (auch Eucharistiefeier genannt) danken wir Gott dafür, dass er alles gut geschaffen hat und alles gut im Dasein hält, dass er sich immer wieder als Retter gezeigt hat und Quelle des Lebens ist. Vor allem feiern wir Gott für sein Wirken in Jesus. Schon im 1. Korintherbrief von Paulus, entstanden um 55, also 25 Jahre nach dem Tod Jesu, finden wir die Worte, wie sie im Gemeindegottesdienst damals verwendet wurden: „Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! … Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ Worte, die Jesus so oder ähnlich beim letzten Abendmahl gesprochen hat und bei Paulus ihren frühesten schriftlichen Niederschlag fanden. Sie werden Einsetzungsworte genannt.

Der Nachfolger dieser urchristlichen Mahlfeiern ist die heutige Messfeier, die in vielerlei Hinsicht nicht mehr wiedergibt, was damals getan wurde. Deshalb gab und gibt es Versuche, die Messfeier in Form und Inhalt zu erneuern. Zwei dieser Stoßrichtungen sollen hier erwähnt werden:

Die erste Stoßrichtung zielt darauf ab, dass Jesus seine Aufforderung, dies zu seinem Gedächtnis zu tun, nicht an Einsetzungsworte durch einen geweihten Priester gebunden hat. Die gab es nämlich damals noch gar nicht und die Einsetzungsworte wurden vom Hausherrn, der als Vorsteher der Urchristengemeinde wirkte, gesprochen. Wahrscheinlich gab es auch Vorsteherinnen, die diese Worte sprachen. So etwas müsste doch heute, im Zeitalter des Priestermangels, wieder möglich sein. Vor allem, um dem Volk Gottes, das wir ja sind, nicht den Zugang zu einer Eucharistiefeier zu verwehren. Manche sagen: um uns nicht eucharistisch auszuhungern.

Die zweite Stoßrichtung zielt darauf ab, die Liturgie rund um die Eucharistiefeier von theologischen Anachronismen zu befreien. Dazu gehört primär die theologisch längst überholte Vorstellung, dass der Gottessohn Jesus für die Sünden der Menschen geopfert werden musste, um eine angemessene Wiedergutmachung für die Verletzung der Ehre Gottes, die durch den Sündenfall der Menschen geschehen ist, zu leisten. Dazu gehört aber auch die mehrfache Negativdarstellung von uns getauften Christen als Sünder, die ohne die Erwähnung, dass wir zum Volk Gottes gehören und zum allgemeinen Priestertum berufen sind, auskommen muss, und die kirchliche Hochsprache, die mit unserer Lebensrealität nichts mehr zu tun hat und vor allem der Jugend nichts mehr gibt.

Deshalb taten sich sechs „zornige alte Männer“ (wohl zufällig fand sich für diese Runde keine Frau) zusammen, um Inhalt und Ablauf einer derartigen urchristlichen Mahlfeier unserer heutige Zeit anzupassen. Sie nannten diesen Gottesdienst „christliche Gedächtnisfeier“, um mit dem geltenden Kirchenrecht nicht in Konflikt zu geraten. Mehrere Theologieprofessoren lieferten wertvolle Hinweise dazu. Ob damit der Aufforderung Jesu, „dies zu meinem Gedächtnis zu tun“ nachgekommen wird, wird nicht in Rom, sondern von Gott entschieden. Was sich diese sechs gedacht haben, kann auf www.gedaechtnisfeier.eu nachgelesen werden. Mit Anleitungen und Beispielen für die Gestaltung von Mahlfeiern.

Wolfgang Oberndorfer, Pressbaum

Theologe Tück: Kirche muss „Ressourcen des Heiligen freilegen“

Wiener Dogmatiker in NZZ: Strukturreformen alleine reichen nicht, Kirche braucht Rückbesinnung auf das Heilige.

Strukturreformen alleine genügen nicht, um die Kirche aus der aktuellen Krise herauszuführen; vielmehr brauche es eine Rückbesinnung auf die „Ressourcen des Heiligen, aus denen Generationen vor uns gelebt haben“. Das hat der Wiener Theologe Prof. Jan-Heiner Tück in einem Beitrag in der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ, 5.1.) betont. Die säkulare Gesellschaft könne solche Ressourcen selbst nicht generieren oder zur Verfügung stellen – dies sei eine Chance für die Kirchen. Schließlich sei der Mensch mehr als nur ein „animal rationale“ und brauche Zeichen und Handlungen, um sich der Welt und seines Platzes darin zu versichern. Dazu brauche es „symbolischer Handlungen, die dem Bedürfniswesen Mensch, das Hunger hat und Durst verspürt, das lieben will und sterben muss, entgegenkommen“, so Tück.

Sakramente als „Zeichen des Heils in Zeiten der Krise“ könnten etwa solche symbolischen Handlungsformen darstellen, zeigte der Dogmatiker auf: „Sie führen den Menschen über sich selbst hinaus und verbinden ihn mit dem Heiligen.

Quelle: Theologe Tück: Kirche muss „Ressourcen des Heiligen freilegen“