Theologe Beck: Heiliger Geist in Kirchengeschichte zu kurz gekommen

Die katholische Kirche sollte den Heiligen Geist mehr ins Zentrum ihrer Verkündigung stellen und „den Menschen erklären, wozu er taugt“: Das hat der Moraltheologe Matthias Beck im Interview mit „Kathpress“ vor fast sechs Jahren gefordert. Jetzt ist die Zeit reif. Hier das Interview:

Ein Zeitalter des Heiligen Geistes

Einer der vielen Gründe für das Schrumpfen der Gläubigenzahl sei, dass die Kirche „zu wenig vermittelt, dass es im Alltag sinnvoll ist, sich auf Gott einzulassen.“ Dieses Versäumnis in der Kirchengeschichte müsse angesichts des Endes der Volkskirche nachgeholt werden, so der Priester und Medizinethiker, der in Papst Franziskus und dessen ignatianischer Prägung Hinweise auf ein „Zeitalters des Heiligen Geistes“ in der Kirche beobachtet.

Europa braucht den Geist

In Europa sei heute „der Geist ausgegangen“, kritisierte Beck: „Wir nehmen nicht ernst genug, was wir verkünden und feiern – dass der Heilige Geist wichtige Gaben hat.“ Immerhin trage und führe die dritte göttliche Person die Kirche, wirke in den Sakramenten und auch in den Menschen selbst, wenn er etwa zu Erkenntnis, Einsicht und Unterscheidung der Geister befähige sowie dazu, „andere Fragen zu stellen“, so der Theologe. Eine „ausführlichere Zuwendung“ zum Heiligen Geist sei angebracht und durchaus schulde die Kirche Rechenschaft – „etwa wenn Jugendliche fragen, was ihnen der Heilige Geist bei Taufe und Firmung bringt, und was die Kirche bringt“.

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Der Geist macht frei!

Kardinal Christoph Schönborn und der Pneumatometer

„Der Hl. Geist zeigt sich ja nicht, zumindest nur sehr selten, mit Flammen und Sturm. Er zeigt sich mit dem was wir tun. Er zeigt sich in unserem Leben“, so Kardinal Schönborn in seiner Predigt im Stephansdom vor zwei Jahren. Viele Zuhörer haben das beherzigt.

Der Maßstab

Ausgehend von der Anweisung des Apostels Paulus: „Lasst euch vom Heiligen Geist leiten!“ benannte der Wiener Erzbischof Kriterien, sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen und nicht vom Ungeist beherrscht zu werden. Dazu benötige es so etwas wie ein „Pneumatometer“. Die Redaktion der Erzdiözese bemerkte an: Der Duden kennt diesen Begriff als ein Gerät zur Messung des Luftdrucks beim Aus- und Einatmen. Kardinal Schönborn bezeichnet es, „als einen Maßstab für das was es heißt, sich vom Heiligen Geist leiten lassen“.

Der Geist zeigt sich im Tun

„Der Hl. Geist zeigt sich ja nicht, zumindest nur sehr selten, mit Flammen und Sturm. Er zeigt sich mit dem was wir tun. Er zeigt sich in unserem Leben. Folgt dem Antrieb des Geistes! So können wir es auch übersetzen“, so Kardinal Schönborn.

Der Neid nimmt uns die Freiheit

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Franziskus: Die Asche des Jammers und der Resignation verbrennt. Das Feuer des Heiligen Geistes.

Papst Franziskus schreibt zum Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit:

Kehren wir zurück zum Geist, der lebendig macht, zum Feuer, das unsere Asche wiederauferstehen lässt. Beten wir wieder zum Heiligen Geist, entdecken wir wieder neu das Feuer des Lobpreises, das die Asche des Jammers und der Resignation verbrennt.
Heute neigen wir unser Haupt, um die Asche zu empfangen. Fastenzeit heißt demütig hinabsteigen in uns selbst und zu den anderen. Sie bedeutet zu verstehen, dass die Erlösung nicht ein Hinaufsteigen zum Ruhm ist, sondern ein Hinabsteigen aus Liebe.
Wir beginnen den Weg der Fastenzeit. An seinem Anfang stehen die Worte des Propheten Joël, welche die Richtung angeben, der wir folgen sollen: »Kehrt um zu mir von ganzem Herzen« (Joël 2,12). Die Fastenzeit ist eine Rückkehr zu Gott. (Drei Tweets vom 17.2.2021)
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Der Heilige Geist hilft gegen Rivalität

Rivalitäten wurden in vorchristlichen Zeiten und Kulturen mit Ausstoßen und Opfer besänftigt. Die Rivalen und Rivalinnen schlossen sich gegen einen oder eine zusammen und hatten untereinander Frieden. René Girard nennt diese Szenen den Sündenbockmechanismus. Der Friede wurde rituell in den Opferhandlungen wiederholend hergestellt. Die Menschenopfer wurden ersetzt durch Tieropfer und in Indien wegen der Wiedergeburtsvorstellung durch Pflanzenopfer. Die Opferpriesterschaft strukturierte die Gesellschaft mit ihren Gesetzen und ihrer Hierarchie.

Daneben gab es immer Eruptionen, wo durch den Sündenbockmechanismus einzelne oder Gruppen zu Opfern der Ausstoßung wurden. Das kann man bis in die Neuzeit verfolgen, wo Juden, Katharer oder Hexen von Christinnen und Christen ausgestoßen wurden. (Nebenbei bemerkt: Christinnen und Christen sollen sich jeden Tag neu bekehren und sich mit Gott kurzschließen.) Das Ausstoßen passiert heute noch, wenn Rohingyas aus Thailand vertrieben werden. Normalerweise wurde und wird den Ausgestoßenen und Ermordeten eine Schuld zugesprochen. Wir wissen mittlerweile, dass Mobbingopfer keine Schuld trifft.

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Papst Franziskus denkt vom Heiligen Geist her.

In seinem Brief „Spiritus Domini“ beginnt Franziskus mit „Der Geist des Herrn Jesus“, den er als Quelle des Lebens und als Quelle der Sendung der Kirche sieht. Der Geist des Herrn Jesus ist der Heilige Geist. Das bricht mit der Vorstellung, dass allein Jesus Christus für die Kirche die Quelle der Lebens und die Quelle der Sendung ist. Die Bischöfe sahen und sehen sich oft noch heute als Repräsentanten von Jesus Christus als Herrscher der Kirche. Da bricht Papst Franziskus wie auch das 2. Vatikanische Konzil und die letzten Päpste wie Paul VI mit dieser Vorstellung.

Er schreibt, dass der Heilige Geist den Gliedern des Gottesvolkes Gaben austeilt. Mit dem Gottesvolk ist nach dem 2. Vatikanum nicht nur die römisch-katholische Kirche gemeint, sondern alle Getauften. An dieses Volk Gottes teilt der Geist des Herrn Jesus „Gaben aus, die jede und jeden befähigen, auf unterschiedliche Weise zur Erbauung der Kirche und zur Verkündigung des Evangeliums beizutragen.“ Es ist der Glaube der Kirche, dass jede und jeder Getaufte durch den Geist Gaben, sogenannte „Charismen“ in Hülle und Fülle geschenkt bekommt.

Jetzt macht Franziskus einen Schwenk und nennt die Charismen Ämter. Nun sind aber nicht alle Gaben, alle Charismen des Heiligen Geistes Ämter. Es gibt, so schreibt Franziskus, Charismen, die von der Kirche öffentlich anerkannt und eingesetzt sind, diese werden Ämter genannt.

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Geisterfüllter Franziskus-Blog

Großartiger, geisterfüllter Blog von Dr. Andreas Batlog SJ:

Am 13. März 2013 wurde der argentinische Jesuit Jorge Mario Bergoglio zum Bischof von Rom gewählt. Er nahm, erstmals in der Geschichte, den Namen Franziskus an. Lesen Sie hier Beobachtungen und Einschätzungen zu einem ungewöhnlichen Papst.

Quelle: Franziskus-Blog | Dr. Andreas R. Batlogg SJ

Der klein- und krankgejammerte Synodale Weg ist, trotz aller Polemiken und dem an die Wand gemalten Gespenst, er führe in eine deutsche Nationalkirche, ist ein gut durchdachter Versuch, vier elementare Themenblöcke anzugehen – um diese dann mit Vehemenz in Rom zu vertreten.
Ich glaube, wir unterschätzen den Papst hierzulande immer noch – auch intellektuell und theologisch.
Quelle: Bewegungssimulation – sonst nichts. Franziskus-Blog

Intensive Gebete für die Kirchenreform sind notwendig

Eine Kirchenreform ohne Gebet zum Heiligen Geist ist nicht möglich.

Es gibt beim Gebet drei Antworten Gottes: Ja, nein und warte. In der Zeit des 2. Vatikanische Konzil und vor allem danach war eine Aufbruchstimmung, die ich als Jugendlicher miterlebte. Wir haben gebetet, gesungen und meditiert.

Der erste Dämpfer kam, als Papst Paul VI. die Enzyklika Humanae Vitae mit dem Verbot der Mittel gegen Schwangerschaft veröffentlichte. Er entschied sich gegen den Rat der Kommission, in der auch Nichtpriester vertreten waren, für die kleinere Gruppe der Bischöfe. Sie entschieden mit nur einer Stimme Mehrheit gegen diese Mittel. Das war für viele der Beginn des Misstrauens gegen die Hierarchie, die als Herrschaft empfunden wurde. Der Heilige Geist war sicher überrascht von dieser Entscheidung, waren doch sehr viele geisterfüllte getaufte Frauen und Männer im Vorfeld durch Briefe und Gespräche in diese Sache eingebunden gewesen.

Papst Paul VI war sichtlich überrascht und wollte diesen Fehler ausmerzen, indem er die kirchlichen Juristen aufforderte, den Heiligen Geist und die Rechte des Volkes Gottes in die Neufassung des Kirchenrechts aufzunehmen. Der Geist Gottes wurde im 2. Vatikanischen Konzil als Seele der Kirche gesehen. So wie das Wort Mensch wurde, wurde der Geist die Seele der komplexen Kirche (Vergleiche Lumen Gentium 8). Er ist damit der Herr der Kirche. Papst Paul VI und damit der Heilige Geist konnte sich gegen die kirchlichen Rechtsgelehrten nicht durchsetzen. Das überraschte den Geist Gottes. Er wollte aber nichts gegen die Freiheit der Menschen unternehmen und wartete. Er sah, dass die Herrschaft der Hierarchie bald ins Wanken kommt, wenn die Missbrauchsfällen veröffentlicht werden.

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In der Stille erhob sich kraftvolles Sprachengebet

Ein Abend mit der Gruppe der katholischen charismatischen Erneuerung in La Caleta, Teneriffa

Die Kapelle, in der der Abend stattfand, gehört zur Kirche San Sebastiano. Den Altar der Kapelle schmückt eine Plastik der Muttergottes, die das Jesuskind trägt, beide erhöht mit Strahlenkranz.

Ich kam eine Viertelstunde vor Beginn in die Kapelle. Der Raum war bis auf eine kniende, anbetende Frau noch leer, aber durch die geschlossene Tür zum Nebenraum hörte ich lautes Sprachengebet. Das war das Team, das sich auf den Abend vorbereitete. Sie kamen dann heraus, und andere Leute kamen dazu, vorwiegend Frauen. Sie begrüßten einander herzlich mit Umarmungen und standen noch im Gespräch beisammen.

Dann setzten sich alle nieder, und der Abend begann damit, dass eine Frau nach vorne ging, eine Stelle aus der Heiligen Schrift vorlas und deutete.

Lobpreis mit Sprachengebet und Sprachensingen

Es begann nun ein langer Lobpreis. Es wurden Lieder gesungen. Viele kannten die Texte auswendig, standen beim Singen auf und bewegten sich frei. Die Lieder gingen immer wieder in kraftvolles Sprachensingen über. Zwischen den Liedern war Stille, und in der Stille erhob sich lautes, kraftvolles Sprachengebet. Da verstand ich, dass sie vor allem das Sprachensingen und Sprachengebet Lobpreis nennen. Ich konnte lernen, dass diese Art von Lobpreis, wenn man die Laute nicht künstlich hervorbringt, sondern die Zunge und den Sprechapparat ganz dem Heiligen Geist überlässt, in eine immer tiefere Ruhe und Andacht hineinführt.

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Glühender, überzeugter Christ.

Dr. Thomas Seiterich war 40 Jahre Redakteur der Zeitung Publik-Forum. Schwerpunkte seiner journalistischen Arbeit waren die Weltkirche und der Vatikan. So war er viel in Rom und in allen Kontinenten unterwegs. Seit dem Übergang in den Ruhestand kann er mehr bei seiner Frau in Ulm sein. Wir bringen ein Interview vom Katholischen Kirchenblatt Ulm mit dem geisterfüllten Journalisten.

KB: Unsere Kirche ist in vielen höchst unterschiedlichen Ländern der Welt beheimatet. Würde ihr da nicht mehr Vielfalt, Vielstimmigkeit guttun? Oder bedeutet das eine Gefährdung der Einheit?
Seiterich: Der Schweizer Kardinal Kurt Koch, der im Vatikan für die Ökumene unter den Christen zuständig ist, sagt: „Wir können uns in Rom nicht retten vor lauter neu entstandenen evangelischen Kirchen, die sich kürzlich von einer Kirche abgespalten haben. Die wollen dann einen je eigenen Dialogprozess mit Rom. Die Katholiken haben einen Papst, auf den sich so ziemlich alle beziehen. Durch sein Vorhandensein hält er die multikulturelle katholische Kirche zusammen. Das Papsttum verhindert, dass sich auch die diversen Katholiken in einem fort spalten. Zugleich lebt eine enorme Vielfalt in der katholischen Kirche.
KB: Und dennoch Einheit?
Seiterich: Professor Jörg Fegert aus Ulm, einer der großen Experten im Kampf gegen sexuelle  Gewalt an Kindern und Jugendlichen, und der Jesuit Hans Zollner, der ebenfalls Psychotherapeut ist und an der Päpstlichen Uni Gregoriana in Rom lehrt, entwickelten gemeinsam ein Programm zur Prävention gegen sexualisierte Gewalt. Pater Zollner und seine Mitarbeiter sind dabei, das in der katholischen Kirche in allen Ländern in Gang zu setzen. Für die säkulare Forschung ist dieses interkulturelle „katholische“ Projekt so interessant, weil es keine andere Institution weltweit gibt, die so in verschiedenste Gesellschaften hineinreicht.
KB: Frohe Botschaft, befreiende Botschaft trotz allem, was es sonst gab?

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Frauen in der Kirche: Berufen zur Priesterin | Deutschland | DW | 02.02.2021

150 Katholikinnen schreiben in einem neuen Buch über ihren Wunsch, Priesterin zu werden – bislang unmöglich in der katholischen Kirche. Die Frauen drängen auf ein Umdenken, eine schreibt sogar an den Papst.

Quelle: Frauen in der Kirche: Berufen zur Priesterin | Deutschland | DW | 02.02.2021

Ich bete für die Kirche.
Heiliger Geist, du Seele der Kirche,
Komm in unsere Mitte, sei uns zugegen,
ergieße dich mit deiner Gnade in unsere Herzen!

Lehre uns, was wir tun sollen,
weise uns, wohin wir gehen sollen,
zeige uns, was wir wirken müssen,
damit wir durch deine Hilfe dir in allem wohl gefallen!

Du allein sollst unsere Urteile wollen und vollbringen,
denn du allein trägst mit dem Vater und dem Sohne
den Namen der Herrlichkeit.
Der du die Wahrheit über alles andere liebst,
lass nicht zu, dass wir durcheinanderbringen, was du geordnet hast!

Unwissenheit soll uns nicht irre leiten,
Beifall der Menschen nicht verführen,
Bestechlichkeit und falsche Rücksichten sollen uns nicht verderben.
Deine Gnade allein möge uns binden an dich.
Lass uns eins sein in dir und nicht abweichen von der Wahrheit.

Wie wir in deinem Namen versammelt sind,
so lass uns auch in allem, vom Geist der Kindschaft geführt,
festhalten an der Gerechtigkeit des Glaubens,
dass unser Denken hier nie uneins werde mit dir,
und dass wir in der kommenden Welt
für rechtes Handeln ewigen Lohn empfangen.

Amen.