Der Heilige Geist im großen Glaubensbekenntnis

Wir glauben (Ich glaube) an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet
und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten.
(Gotteslob 586,2)

Der Heilige Geist schafft Gemeinschaft

Du, Heiliger Geist bist mächtig.
Du schenkst Leben und machst lebendig.
Du vereinigst Vater und Sohn.
Du gehst aus dem Vater und dem Sohn zu uns Menschen.
Du bildest mit Vater, Sohn und uns Menschen die Gemeinschaft
Du wirst mit Vater und Sohn als einziger Gott angebetet.
Du wirst mit dem Vater und dem Sohn verherrlicht.
Du hast durch die Propheten wie Elia, Moses, Jeremia und Jesaja gesprochen.

Das Nicäno-Konstantinopolitanum wird auch Großes Glaubensbekenntnis genannt. Es ist die Erweiterung des Glaubensbekenntnisses des ersten Konzils von Nicäa (325), die auf dem ersten Konzil von Konstantinopel (381) beschlossen wurde. Auf dem Konzil von Chalcedon (451) wurde es öffentlich vorgelesen und angenommen.

Mit Gott bin ich frei

Alfred Delp
15. September 1907 – 02. Februar 1945

Gott macht frei. Pater Alfred Delp hat am 6. Januar 1945 im Gefängnis der Nationalsozialisten mit gefesselten Händen dieses Manifest der Freiheit geschrieben:

„Der Mensch muss frei sein. Als Sklave, in Kette und Fessel, in Kerker und Haft verkümmert er. Über die äußere Freiheit hat sich der Mensch viele Gedanken und Sorgen gemacht. Das Schlimme ist, dass der Mensch sich an die Unfreiheit gewöhnt und selbst die ödeste und tödlichste Sklaverei sich als Freiheit aufreden lässt. In diesen Wochen der Gebundenheit habe ich dies erkannt, dass die Menschen immer dann verloren sind und dem Gesetz ihrer Umwelt, ihrer Verhältnisse, ihrer Vergewaltigungen verfallen, wenn sie nicht einer großen inneren Weite und Freiheit fähig sind. Wer nicht in einer Atmosphäre der Freiheit zu Hause ist, die unantastbar und unberührbar bleibt, allen äußeren Mächten und Zuständen zum Trotz, der ist verloren. Der ist aber auch kein wirklicher Mensch, sondern Objekt, Nummer, Statist, Karteikarte.
Dieser Freiheit wird der Mensch nur teilhaft, wenn er seine eigenen Grenzen überschreitet.
Die Geburtsstunde der menschlichen Freiheit ist die Stunde der Begegnung mit Gott.“

Im Gefängnis schrieb er auch:
„Das Klare suchen, das Wahre tun, die Liebe leben: Das wird uns gesund machen.
Das gebeugte Knie und die leeren Hände sind die beiden Urgebärden des freien Menschen.“

„Die Freiheit ist der Atem des Lebens.“

Die Nähe Gottes und der Heilige Geist

Zu behaupten, Jesus ist uns nahe, ist zwar für einige bedeutsam, aber die Erklärung aus der dramatischen Geschichte fehlt.

Wie nahe ist uns der Geist Gottes?

Gott ist uns nahe, aber man soll sich diese Manifestationen der Nähe Gottes genauer anschauen. Da bläst Gott dem Menschen in die Nase Lebensatem ein (Gen 2,7). Da kommen drei Männer als der eine Gott zu Abraham, da kämpft Jakob eine Nacht mit Gott, da brennt Gott im Dornbusch bei Moses, da erfährt Elias ihn als Säuseln des Windes, da ruft Jeremia den Gottesgeist, damit die Toten lebendig werden, da legt Gott auf den Gottesknecht bei Jesaja seinen Geist. Da ist überall der Geist sehr nahe den Menschen. Ja, je näher die Geschichte zu Jesus rückt, umso mehr wird Gottes Nähe als Geist Gottes genannt. Menschen machen Erfahrungen der Nähe Gottes, die entweder den Geist rufen (Jeremia) oder die in der Früh schon nach den Weisungen des Herrn fragen, wie bei Jesaia.

Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt:
Erfüllt vom Heiligen Geist, kehrte Jesus vom Jordan zurück. Er wurde vom Geist in der Wüste umher geführt, vierzig Tage lang (Lukas 4,1-2a).

Warum sollte die Geschichte mit dem Abschied Jesu und seinem Aufstieg zum Vater zu Ende sein? Da ist es doch sinnvoll, dass der Heilige Geist diejenigen, die Jesus nachfolgen, erfüllt und führt. Er ist uns mit seinem Wohlwollen nahe. Er ist uns näher als wir uns sind.

Fragen zum wunderbaren Anfang an den Geist Gottes

Die Ruach, der Heilige Geist ist die Manifestation der Anwesenheit Gottes

Lieber Heiliger Geist! Am Anfang der Bibel steht, dass du schwebtest. Die dem Hebräisch mächtigen sagen, dass dieses Schweben ein Schweben wie ein Muttervogel war. Ich war noch nicht geboren und auch wir Menschen waren noch nicht auf dieser wunderbaren Erde, es war beim Urknall, als du mit dem Vater und dem Sohn dieses Mega-Universum erschufst. Da schwebtest du wie ein Muttervogel über der Materie, die sich wie ein Nebel ausdehnte.

Da warst du die Manifestation der Anwesenheit Gottes und schwebtest um den Nebelball, der sich immer schneller ausdehnte. Hast du damals schon daran gedacht, einmal auf einem Planeten wie der Erde den Menschen zu helfen, die Orientierung zu finden? Hast du schon von uns mit unseren Schwierigkeiten und Freuden geträumt? Du hast lange gewartet, bis Leben und Menschen entstanden. Was hast du in der Zeit getan? Einiges im Universum ist sehr schön, es gibt aber einiges, was leicht zerstört wird. Warst du traurig? Lieber Heiliger Geist, das sind Fragen, die ich erst beantwortet bekomme, wenn ich gestorben bin. Aber bis dorthin gibst du mir die Richtung vor. Danke, Geist Gottes!

Wenn der Geist fehlt: Pneumopathologie

Kann ein fehlender religiöser Bezug krank machen?

Dem Zusammenhang zwischen Geistvergessenheit und Krankheit ging der Philosoph Eric Voegelin nach und prägte im Rückgriff auf Friedrich W. J. Schelling den Begriff Pneumopathologie. Pneuma ist der Geist. Voegelin sah wie Viktor Frankl ein Defizit bei Menschen, die sich den Zugang zum göttlichen Grund versperrten. Er sah ihre Abgeschlossenheit, ihren Narzissmus, ihre Getriebenheit von der Angst, die ihre Offenheit für den Geist vermissen lassen. Die Anfälligkeit für Verschwörungstheorien kann hier verortet werden.

Eine guten Überblick zu diesem Thema habe ich bei Gilbert Weiss in seiner Schrift Libido Dominandi – Dominatio Libidinis, Zur Pneumopathologie der „Marktgesellschaft“ Nr. 38 der Publikationen der Eric-Voegelin-Gesellschaft gefunden.

Als ich das Buch von Michael Böhnke über Gottes Geist aufschlug, war ich überrascht, dass er sein Vorwort mit diesem Satz begann: „Gottesferne und Geistvergessenheit prägen das Verständnis des menschlichen Handelns in Moderne und Postmoderne“. Auch er erinnert an Schelling, aber nicht an dessen Begriff Pneumapathologie, sondern an den Satz „Kein Wille offenbart sich anders als durch die That“. Er bezieht diesen Satz auf die Offenbarung des Heiligen Geistes: „Auch jener offenbart sich nicht anders als durch die Tat, genauer durch die Taten der Menschen.“
Ich wurde dieser Tage über Twitter auf Michael Böhnke aufmerksam, der das Buch Gottes Geist im Handeln der Menschen, eine praktische Pneumatologie im Jahre 2016 veröffentlichte.
Er sieht nicht nur ein Fehlen des Gottesbezugs in der Moderne und Postmoderne, sondern er sieht auch ein Fehlen des Geistes in der Kirche. Er erinnert an Karl Rahner und an Papst Johannes Paul II, die beide auf die Geistvergessenheit hinwiesen. Die Heiligen-Geist-Erfahrungen der Pfingstkirchen, die einen großen Zulauf haben, ist innerlich geprägt. Böhnke bringt neben der Innerlichkeit die äußere Seite, das Handeln der Menschen in seine Überlegungen ein. Ich kann sagen: Der Heilige Geist erfüllt mich und prägt die Ausrichtung meines Handelns auf das Gute, auf ihn hin.

Auch der Künstler Benedikt Hipp bezieht sich auf den Philosophen Eric Voegelin. Er lässt die Einzelelemente seiner Skulpturen in ihrer Singularität bestehen. „Anschaulich wird das etwa in den durch ein Gestänge verbundenen Objekten der Installation Entorganisierter Tresterraum (pneumopathologic studies), 2015.“ schreibt Dr. Jörg Scheller in Pneumopathologie und Dividualität, 2015.

Christliche Gedächtnisfeiern

Die Feier der Eucharistie, in der wir „danksagen“, ist, wie das II. Vatikanum in LG (Lumen Gentium) 11 feststellt, Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens. In der Messfeier (auch Eucharistiefeier genannt) danken wir Gott dafür, dass er alles gut geschaffen hat und alles gut im Dasein hält, dass er sich immer wieder als Retter gezeigt hat und Quelle des Lebens ist. Vor allem feiern wir Gott für sein Wirken in Jesus. Schon im 1. Korintherbrief von Paulus, entstanden um 55, also 25 Jahre nach dem Tod Jesu, finden wir die Worte, wie sie im Gemeindegottesdienst damals verwendet wurden: „Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! … Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ Worte, die Jesus so oder ähnlich beim letzten Abendmahl gesprochen hat und bei Paulus ihren frühesten schriftlichen Niederschlag fanden. Sie werden Einsetzungsworte genannt.

Der Nachfolger dieser urchristlichen Mahlfeiern ist die heutige Messfeier, die in vielerlei Hinsicht nicht mehr wiedergibt, was damals getan wurde. Deshalb gab und gibt es Versuche, die Messfeier in Form und Inhalt zu erneuern. Zwei dieser Stoßrichtungen sollen hier erwähnt werden:

Die erste Stoßrichtung zielt darauf ab, dass Jesus seine Aufforderung, dies zu seinem Gedächtnis zu tun, nicht an Einsetzungsworte durch einen geweihten Priester gebunden hat. Die gab es nämlich damals noch gar nicht und die Einsetzungsworte wurden vom Hausherrn, der als Vorsteher der Urchristengemeinde wirkte, gesprochen. Wahrscheinlich gab es auch Vorsteherinnen, die diese Worte sprachen. So etwas müsste doch heute, im Zeitalter des Priestermangels, wieder möglich sein. Vor allem, um dem Volk Gottes, das wir ja sind, nicht den Zugang zu einer Eucharistiefeier zu verwehren. Manche sagen: um uns nicht eucharistisch auszuhungern.

Die zweite Stoßrichtung zielt darauf ab, die Liturgie rund um die Eucharistiefeier von theologischen Anachronismen zu befreien. Dazu gehört primär die theologisch längst überholte Vorstellung, dass der Gottessohn Jesus für die Sünden der Menschen geopfert werden musste, um eine angemessene Wiedergutmachung für die Verletzung der Ehre Gottes, die durch den Sündenfall der Menschen geschehen ist, zu leisten. Dazu gehört aber auch die mehrfache Negativdarstellung von uns getauften Christen als Sünder, die ohne die Erwähnung, dass wir zum Volk Gottes gehören und zum allgemeinen Priestertum berufen sind, auskommen muss, und die kirchliche Hochsprache, die mit unserer Lebensrealität nichts mehr zu tun hat und vor allem der Jugend nichts mehr gibt.

Deshalb taten sich sechs „zornige alte Männer“ (wohl zufällig fand sich für diese Runde keine Frau) zusammen, um Inhalt und Ablauf einer derartigen urchristlichen Mahlfeier unserer heutige Zeit anzupassen. Sie nannten diesen Gottesdienst „christliche Gedächtnisfeier“, um mit dem geltenden Kirchenrecht nicht in Konflikt zu geraten. Mehrere Theologieprofessoren lieferten wertvolle Hinweise dazu. Ob damit der Aufforderung Jesu, „dies zu meinem Gedächtnis zu tun“ nachgekommen wird, wird nicht in Rom, sondern von Gott entschieden. Was sich diese sechs gedacht haben, kann auf www.gedaechtnisfeier.eu nachgelesen werden. Mit Anleitungen und Beispielen für die Gestaltung von Mahlfeiern.

Wolfgang Oberndorfer, Pressbaum

Johann Baptist Metz: Wie nach Auschwitz noch beten?

Er war der Erste, der das Erschrecken über die Shoah in die katholische Theologie einschrieb: Man könne nur beten, weil auch in Auschwitz gebetet worden sei, sagte der deutsche Theologe Johann Baptist Metz. Nun ist er 91-jährig gestorben. …

Die biblische Differenz zwischen Schöpfer und Geschöpf habe die Welt entgöttlicht – und erst diese «Entdivinisierung» habe Wissenschaft und Technik den freien Zugang zur Welt geöffnet. …

Statt in den Bahnen des Augustinus weiter die Erlösung von Sünde und Schuld ins Zentrum zu rücken, stellte Metz die beunruhigende Frage nach der Rettung des anderen in seinem Tod. …

Statt für eine Mystik der geschlossenen Augen, die sich durch Versenkung der Welt entzieht, votierte er für eine Mystik der offenen Augen, die sich vom Leid der anderen affizieren und zu politischem Handeln anstiften lässt.

Am 2. Dezember 2019 ist Johann Baptist Metz in Münster friedlich verstorben.

Quelle: Johann Baptist Metz: Wie nach Auschwitz noch beten?