Gieß in die Herzen!

Der Autor stellt die Betonung eines „drei-einen“ Gottes gerade im Miteinander der Religionen als aktuell und bedeutend dar. Erst in der Betonung der wesensgleichen Einheit der drei göttlichen Seinsweisen sieht er die Tiefe des christlichen Glaubens heute nachhaltig kommunizierbar und alltagsrelevant sowie interreligiös vermittelbar.
Trinitatis: Ohne Geist keine Gottesbegegnung und keine Liebe

ev. Predigttextkath. 2. Lesungkath. Evangelium
4 Mose 6, 22-27Röm 5, 1-5Joh 16, 12-15

Vorbemerkung zu Dreifaltigkeit bzw. Trinitatis
Als ob ein eigenes Fest zur Würdigung des Heiligen Geistes zu viel des Guten sein könnte, gebietet eine Woche nach Pfingsten der Dreifaltigkeitssonntag Einhalt in der „Überbetonung“ der dritten göttlichen „Person“ – und erinnert daran, dass die junge Kirche im Angesicht von Irrlehren die Einheit und die Wesensgleichheit der drei göttlichen Seinsweisen betont hat. Alte Kirchen- und Dogmengeschichte, die heute nur noch Historiker und Theologen interessiert? Ich fürchte, in etwa dieselben damaligen als Häresien gebrandmarkten Lehren machen heute die Runde – zumeist unreflektiert: zum Beispiel die ausschließliche Orientierung am Menschsein Jesu (Doketismus), am „eigentlichen“ Gott als „Vater“ (Monophysitismus) oder der Glauben an einen Geist als „Anhängsel“ (als Form des Subordinatianismus). Oder es wird – gut gemeint – daran erinnert, dass für Christen der eigentliche Gott Jesus Christus sei und er eine Sonderrolle im Miteinander der drei „Personen“ habe.

Joh 16: Mehr als ein Paraklet
Der, der nach dem Fortgang des Herrn die Jünger in die „ganze Wahrheit“ einführen soll, wird oft als „Beistand“ oder „Tröster“ übersetzt. Der „Paraklet“ ist im damaligen Sozialkontext aber vielmehr derjenige, der im Gericht „bei-steht“.

Weiterlesen: Nachhaltig Predigen von Dr. Thomas Hanstein

Befreiung vom Ungeist

Nach einer heftigen Diskussion mit ihrem Vater kommt die Tochter mit einem Blumenstrauß und möchte sich entschuldigen. Sie versöhnen sich unter Tränen.

Das brauchen wir. Versöhnung und keine Spaltung, Verzeihen und keine Gegnerschaft. Das ist der Geist Gottes, der Heilige Geist, den uns Jesus schickt und den wir rufen können.
Er achtet unsere Freiheit und wartet auf unser Rufen.

Bevor Jesus in Kafarnaum lehrt, bringt das Markusevangelium drei Szenen, in denen der Heilige Geist eine wichtige Rolle spielt.

Es beginnt mit der Ansage des Johannes des Täufers, dass einer kommen wird, der mit Geist tauft. Als dieser dann kommt und sich bei ihm im Jordan taufen lässt, kommt der Geist wie eine Taube auf ihn herab. Wir kennen ihn: Es ist Jesus. Der Geist treibt ihn in der dritten Szene in die Wüste, wo er der Versuchung widersteht und die Engel ihm dienen. Nach der Berufung der Schüler (der „Jünger“) lehrt er geisterfüllt in der Synagoge von Kafarnaum. Die Menschen staunten, weil er wie einer lehrte, der „Vollmacht“ hat, nicht wie die Schriftgelehrten.

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Der Geist gegen die Gewaltideologie

Zwei große Schriftsteller nennen ihre Romane „Die Dämonen“: Fjodor Dostojewski (1873) und Heimito von Doderer (1956). Beide beschäftigen sich mit den falschen Weltanschauungen, den Spaltungen der Gesellschaft, den Wahrnehmungsverweigerungen und der individuellen und kollektiven Gewalt. Sie schauen dabei tiefer. Sie schauen auf die geistigen Kämpfe dahinter. Es geht ihnen um die Totalität. Doderers Sekretär Wolfgang Fleischer sagt in einem Interview: „Für jemanden wie Doderer, der das Konkrete und Rationale für eine platte Oberflächlichkeit hält, ist klar, daß die Auseinandersetzung in den Tagebüchern und mit der Theorie der Totalität für ihn die einzige richtige Ebene war.“[1]

Es geht ihnen um die Dämonen, die von den Menschen Besitz ergreifen und sie in die Katastrophe führen. Bei Dostojewski endet alles mit Mord und Suizid, bei Doderer mit der Erstürmung und dem Brand des Justizpalastes in Wien durch den Mob.

In der Geschichte des Judentums kommt es durch den Aufstand der Radikalen gegen die Römer 70 nach Christus zur Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Truppen Titus. Vierzig Jahre davor befreit Jesus in der Synagoge von Kafarnaum einen Menschen von einem Ungeist.[2] Nicht alle Menschen konnte Jesus von solchen verkehrten Geistern befreien. Aber er hat etwas in die Welt gebracht: den Geist Gottes.


[1] https://www.doderer-gesellschaft.org/doderer/interviews/interview_fleischer7.html

[2] Markus 1,21-28

Papst Paul VI: Dem Kirchenrecht fehlt der Heilige Geist. Er ist die Seele der Kirche.

Papst Paul VI: Das Wirken des Heiligen Geistes muss im Recht der Kirche seinen Ausdruck finden.

Das Kirchenrecht ist ein Handeln der Kirche, deren Seele der Heilige Geist ist. Papst Paul VI legte in der folgenden Ansprache den Rechtsgelehrten nahe, dem Geist des Konzils und damit dem Heiligen Geist im Kirchenrecht Ausdruck zu verleihen. Das wurde leider im neuen Kirchenrecht im Jahre 1983 nicht oder nur in sehr geringer Weise umgesetzt.

Ansprache Pauls VI vom 17. September 1973 an die Teilnehmer des II. Kongresses für Kanonisches Recht in Mailand

(OR Nr. 213 vom 17./18. September 1973)
(Der italienische Text der Ansprache wurde übersetzt von Lic jur can. Heinz Maritz, München.)

            Wir empfangen Sie mit herzlicher und tiefer Hochachtung; Uns bewegt Ihr Gedanke, am Ende ihres II. Internationalen Kongresses, der vergangene Woche unter den Auspizien der Katholischen Universität Sacre Cuore in Mailand stattgefunden hat, eigens zu dieser Audienz nach Rom zu kommen. Wir danken dem verdienten Professor O r i o G i a c c i für seine edlen Worte, die er Uns hat zukommen lassen und die Zeugnis gegeben haben von dem Geist, mit dem das Organisationskomitee und Sie alle, verehrte Wissenschaftler, diese so wertvolle und repräsentative Begegnung mit Leben erfüllt haben. Diese Begegnung fügt sich würdig an jene vom Jahr 1970[1], die Wir noch lebhaft in Erinnerung haben. Eine lobenswerte Erwähnung verdient die italienische Katholische Universität – an ihr werden die juristischen Studien besonders gepflegt -, die Förderung und Gastfreundschaft angedeihen ließ einer so wertvollen Initiative, die dem eindrucksvollen Kreis derjenigen, die sich der Pflege des kanonischen Rechts widmen, zur Ehre gereicht.

            Wir danken Ihnen für Ihre Anwesenheit: nicht allein wegen des persönlichen Trostes, den sie Uns gibt, sondern vor allem wegen der ganz besonderen Bedeutung, die sie, objektiv gesehen, in sich selbst hat.

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Die Bitte um den Heiligen Geistes in der Eucharistie

Ohne die Bitte um den Heiligen Geist kann in der Kirche und in der Welt wenig Sinnvolles geschehen.

Die Bitte um den Heiligen Geist, die „Epiklese“, geschieht im 2., 3. und 4. Hochgebet. Sie wird vor und nach der Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu gebetet. Diese Erzählung ist keine reine Erinnerung, sondern eine Vergegenwärtigung des Ereignisses, eine „Anamnese“. Die reale Anwesenheit Christi in Brot und Wein geschieht durch den Heiligen Geist, der einerseits die Manifestation der Anwesenheit Gottes darstellt und andererseits die Verbindung zwischen den Gläubigen, Christus und dem Vater herstellt. Er schafft Gemeinschaft und Gegenwart. Ohne Epiklese, der Bitte um den Heiligen Geist und der Anamnese, der vergegenwärtigenden Erinnerung kann man die Eucharistie nicht verstehen, Epiklese. Anamnese.

Das zweite Hochgebet:

Die 1. Epiklese geschieht vor der Anamnese:
Ja, du bist heilig, großer Gott, du bist der Quell aller Heiligkeit. Darum bitten wir dich: Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.

Die 2. Epiklese geschieht nach der Anamnese:
Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung deines Sohnes und bringen dir so das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles dar. Wir danken dir, dass du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen. Wir bitten dich: Schenke uns Anteil an Christi Leib und Blut und lass uns eins werden durch den Heiligen Geist.

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Die Bitte um den Heiligen Geist in der Firmung

Taufbekenntnis:
Glaubt ihr an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der, wie einst den Aposteln am Pfingstfest, so heute euch durch das Sakrament der Firmung in einzigartiger Weise geschenkt wird?

Gebetseinladung: Der Bischof lädt die Gemeinde zum Gebet ein:
Lasset uns beten zu Gott, dem allmächtigen Vater, dass er den Heiligen Geist herabsende auf diese jungen Christen, die in der Taufe wiedergeboren sind zu ewigem Leben. Der Heilige Geist stärke sie durch die Fülle seiner Gaben und mache sie durch seine Salbung Christus, dem Sohn Gottes, ähnlich.

Bitte um den Heiligen Geist:
Der Bischof breitet die Hände über die Firmlinge aus.
Allmächtiger Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus, du hast diese jungen Christen in der Taufe von der Schuld Adams befreit, du hast ihnen aus dem Wasser und dem Heiligen Geist neues Leben geschenkt. Wir bitten dich, Herr, sende ihnen den Heiligen Geist, den Beistand. Gib ihnen den Geist der Weisheit und der Einsicht, des Rates, der Erkenntnis und der Stärke, den Geist der Frömmigkeit und der Gottesfurcht. Durch Christus, unsern Herrn.
Alle: Amen.

Chrisamsalbung:
N., sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.
Die Gefirmte / Der Gefirmte: Amen
Der Bischof: Der Friede sei mit dir.

Quelle: Erzbistum München

Die Bitte um den Heiligen Geist in der Taufe

Lobpreis und Anrufung Gottes über dem Wasser:
Lasst uns beten zu Gott, dem allmächtigen Vater, dass er diesem Kind aus dem Wasser und dem Heiligen Geist neues Leben schenke. 
Wir preisen dich, Gott, allmächtiger Vater; denn du hast Christus bei seiner Taufe im Jordan geheiligt in deinem Geist, in dem auch wir geheiligt werden. Wir loben dich.
Heilige dieses Wasser, damit dieses Kind im Heiligen Geist wiedergeboren wird und deinem Volk angehört. Erhöre uns, o Herr.

Taufe:
N., ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Quelle: Diözese Eisenstadt

Gottes Geist in der Lima-Liturgie

Die zwei Herabrufungen des Heiligen Geistes (Epiklese):
Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt,
Du bist heilig und Dein Ruhm ist ohne Grenzen.
Sende herab auf unsere Eucharistie den lebenspendenden Geist,
der durch Mose und die Propheten gesprochen hat,
der die Jungfrau Maria mit Gnade überschattete,
der auf Jesus am Jordan herabkam
und auf die Apostel am Pfingsttag.
Lass das Ausgießen dieses feurigen Geistes
unser Mahl der Danksagung so verwandeln,
dass dieses Brot und dieser Wein
für uns zum Leib und Blut Christi werden.

Blicke, Herr, auf diese Eucharistie,
die Du selbst der Kirche geschenkt hast,
nimm sie gnädig an,
wie Du das Opfer Deines Sohnes annimmst,
durch das wir wieder aufgenommen sind in Deinen Bund.
Erfülle uns mit dem Heiligen Geist,
wenn wir Christi Leib und Blut empfangen,
dass wir ein Leib
und ein Geist werden in Christus,
ein lebendiges Opfer zum Lobe Deiner Herrlichkeit.
Komm, Schöpfer Geist! (Veni Creator Spiritus.)

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Gebet zum Heiligen Geist – Johannes Paul II.

O HEILIGER GEIST, du Liebe des VATERS und des SOHNES.
Gib mir immer ein, was ich denken soll.
Gib mir ein, was und wie ich es sagen soll.
Gib mir ein, was ich verschweigen soll und wie ich mich dabei verhalten soll.
Gib mir ein, was ich zur Ehre GOTTES zum Wohl der Seelen und zu meiner eigenen Heiligung tun soll.
HEILIGER GEIST, gib mir Verstand, um zu verstehen und zu erkennen.
Gib mir das Fassungsvermögen, um alles zu behalten.
Lehre mich die Methoden und gib mir die Fähigkeit, um immer wieder zu lernen.
Gib mir Scharfsinn, um richtig zu deuten und zu unterscheiden.
Gib mir die Gnade, um wirkungsvoll zu sprechen.
HEILIGER GEIST, gib mir Zuversicht und Treffsicherheit am Beginn.
Leite und führe mich bei der Ausführung und schenke mir Vollkommenheit beim Beenden. AMEN
Johannes Paul II
Quelle: Hl. Johannes Paul II.: Gebet zum Heiligen Geist

Neugeboren aus dem Geist

Im Gespräch mit Nikodemus spricht Jesus von der Notwendigkeit einer neuen Geburt aus Wasser und Geist, um in das Reich Gottes zu kommen.

Jesus zur Samariterin: Die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter und Beterinnen den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit

Papst Johannes Paul II erinnerte in seiner Enzyklika über den lebensspendenden Geist Gottes, dass sein Vorgänger Papst Paul VI. programmatisch sagte: »Auf die Christologie und vor allem auf die Ekklesiologie des Konzils muss nun ein neues Studium und eine neue Verehrung des Heiligen Geistes folgen, eben als notwendige Ergänzung der Ehre des Konzils«
(Generalaudienz vom 6. Juni 1973: »Insegnamenti di Paolo VI«, XI (1973) 477)

Enzyklika von Johannes Paul II Dominum et vivificantem (Link)