Die Frau in der katholischen Kirche

Einleitung

Als Ernst von Baer 1827 die weibliche Eizelle und das Eindringen der Samenzelle in letztere entdeckte, bedeutete dies nicht nur eine medizinische Revolution. Vielmehr geriet ein Menschenbild ins Wanken, das seit der Antike das Geschlechterverhältnis von Mann und Frau bestimmt hatte. Vom Mann als formgebendes Prinzip des Menschen, wie schon Aristoteles meinte, und über den „mas occasionatus“(Frau ist ein missglückter Mann und nur eine Art Brutkasten)  des Thomas von Aquin spannt sich der Bogen bis zur Französischen Revolution, seit der der Prozess der Frauenemanzipation als Frucht der Aufklärung endgültig Fuß fasste und mit Baers Entdeckung auf volle Touren kam. Immerhin sind rechtliche Gleichstellung und Gleichbehandlung von Mann und Frau in vielen westlichen Ländern heute verfassungsrechtlich verbrieft. Den Hintergrund, warum das in der Kirche nicht so ist, möchte ich etwas erhellen. Ich vermeide, dieses brisante Thema sehr ausführlich zu behandeln, da es den Rahmen von „Christenwind“ weit überschreiten würde. Mein Ziel ist, die kulturellen, theologischen und rechtlichen Grundlagen für die unterschiedliche Behandlung von Frauen und Männern in der Kirche leicht lesbar und verständlich in Erinnerung zu rufen.

Frau in der Kirche

Die Frau hatte es von Anfang an schwer. War doch schon Paulus ambivalent hinsichtlich dessen, was Frauen sind bzw. dürfen und was nicht, und ohne die drei tritopaulinischen Pastoralbriefe (spätere pseudopaulinische Briefe, zwei an Timotheus und der an Titus) wäre das Neue Testament sehr viel frauenfreundlicher. Immerhin gibt es Kirchenlehrerinnen und Heilige und bis ins 19. Jahrhundert Äbtissinnen, die eine den Bischöfen vergleichbare Machtfülle hatten. Und seit einigen Jahrzehnten werden  in zunehmendem Maße auch Frauen in leitende Positionen in der Kirche berufen, allerdings nur dann, wenn diese Positionen kirchenrechtlich nicht ausschließlich geweihten Klerikern vorbehalten sind. Und damit lege ich die Hand in die offene Wunde: Frauen sind nach dem Kirchenrecht vom Weihesakrament (für Diakon, Priester und Bischof) ausgeschlossen. Denn Leitungs- und Weihegewalt sind in der Kirche direkt miteinander verknüpft. In Zusammenschau mit dem Thema dieses Beitrages möchte ich die wesentlichen Argumente gegen bzw. für eine Frauenordination auflisten:

  • Das wichtigste Argument ist das (manchmal so genannte) Funktions-Argument: Weil Jesus ein Mann war, kann Jesus Christus grundsätzlich in den Sakramenten und insbesondere in der Eucharistiefeier auch nur durch einen Mann, eben den Priester „in persona Christi“, repräsentiert werden. Das „sich von Christus empfangen“ in der Eucharistiefeier erfolgt durch die Kirche, die Braut Christi, die eben nur durch eine Frau dargestellt werden kann. Die Frauen repräsentieren damit die Kirche und deren empfangenden und responsorischen Charakter. Gegenargument: Diese Interpretation entbehrt der biblischen Grundlage und ist zur Tradition geworden. Überdies wird die Kirche seit dem II. Vatikanum vermehrt als Volk Gottes, die in Gemeinschaft mit Christus („communio“) lebt, aufgefasst und damit einer Geschlechtszuordnung entzogen.
  • Weitere biblische Argumente: Jesus hat keine Frauen mit einer besonderen „amtlichen“ Sendung beauftragt (Apostel waren durchgehend Männer – nach Ansicht mancher Theologen auch sehr gewichtig; einige neutestamentliche Briefe sprechen wirklich keine frauenfreundliche Sprache). Gegenargument: Jesus war in diesem Punkt „Kind seiner Zeit“ und diese Stellen im Neuen Testament müssen vor dem Hintergrund der damaligen kulturellen und gesellschaftspolitischen Situation der Frau gesehen werden. Darüber hinaus ist Jesus anzurechnen, dass er die Frauen schon damals anders sah, als es dem Zeitgeist entsprach. Immerhin war die Apostelin Maria Magdalena seine Vertraute, Jesus nahm auch Frauen in sein Gefolge der Jünger*innen auf und das Urchristentum kannte eine Apostelin Junia und eine Diakonin Phöbe.
  • Aus theologischer Sicht wird vermehrt das Gegenargument vorgebracht, dass die Eucharistie mit dem Gebet um Herabrufung des Hl. Geistes (Epiklese) eingeleitet wird, wie es die Ostkirche heute noch versteht, und nicht der Verfügung der Kirche bzw. des Priesters gestellt ist. Die Engführung auf die Einsetzungsworte durch den Priester setzte erst im 5. Jhd. ein und damit die Funktion des Priesters „in persona Christi“.
  • Aus kirchenrechtlicher Sicht wird dem Ausschluss der Frauen von der Priesterweihe auch dagegengehalten, dass ein Verbot bzw. die Ungültigkeit einer Sakramentenspendung nur Ordnungscharakter haben kann und nicht eine Heilsperspektive verschließen darf. (In Zeiten der wegen Priestermangel verminderten Verfügbarkeit der Eucharistie besonders wichtig!)

Der guten Ordnung halber sei festgehalten: Das zwischen Österreich und dem Vatikan 1958 (wiederbelebte) Konkordat und die in den Menschenrechten verankerte Glaubensfreiheit bewirken, vereinfacht ausgedrückt, für die Kirche die Möglichkeit, Frauen und Männer ungleich zu behandeln.

Neben diesen theologischen Argumenten gegen die Frauenordination sind allerdings noch einige gravierende kirchenpolitische Argumente da, die nicht einfach vom Tisch gewischt werden können:

  • Das Funktionsargument hat noch in vielen Regionen der Welt weiterhin starke Überzeugungskraft und die Einführung einer Priesterweihe für Frauen würde jetzt und in absehbarer Zukunft wahrscheinlich zu einem Schisma führen, wie es unsere Kirche noch nicht erlebt hat.
  • Eine Priesterweihe für Frauen würde für die orthodoxen Kirchen und für die hochkirchliche Bewegung ein „no go“ , weil Häresie, bedeuten und jede ökumenische Annäherung unterbinden. (Die hochkirchliche Bewegung ist eine spezifische Richtung in der evangelischen Kirche, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstand und sich als Evangelisch-Katholische Eucharistische Gemeinschaft versteht.)

Hinter dem Funktionsargument steckt aber noch etwas Tieferes, nämlich die These vom Verschiedensein von Mann und Frau als grundsätzlich verschiedene und tiefenpsychologisch deutbare Seinsprinzipien, wie sie z.B. im asiatischen und afrikanischen Raum noch anzutreffen sind (vgl. Yin – Yang). Wenn diese These zutrifft, zeigt sich in der Frau das „symbiotische Element“, also die Tatsache, dass jeder Mensch aus der Einheit mit seiner Mutter anhebt und sich ständig nach mütterlicher Einheit zurücksehnt, und im Mann das „Element des Andersseins“ (Alterität), welches den symbiotischen Kreis des Kindes aufbricht und zum eigenen Weg stimuliert. Der christliche Glaube vermittelt diese unterschiedlichen Seinsprinzipien einerseits durch das „Element des Andersseins (Alterität)“ der Transzendenz des göttlichen Handelns, symbolisiert durch einen männlichen Amtsträger, andererseits durch das „symbiotische Element“, die Gegenwart Gottes im Geist und dessen Fruchtbarkeit, durch die Weiblichkeit der Kirche.

Man kann darüber denken was man will, aber eine Priesterweihe von Frauen wird es in einer globalen katholischen Kirche wahrscheinlich erst dann geben können, wenn eine globale Mehrheit der Katholiken sich von dieser These innerlich emotional abgehoben hat und überdies der absolutistisch regierende Monarch, der Papst, zustimmt. (Dass das bei einer zustimmenden allgemeinen Meinung des Kirchenvolkes unkompliziert möglich ist, zeigte Papst Franziskus bei der Elimination der Todesstrafe aus dem Katechismus.)

Die Auswirkungen der unterschiedlichen Behandlung von Frauen und Männern in der Kirche sind beachtlich: Es entstand ein eigener Stand, der Klerus als Gesamtheit der geweihten Priester, der eine umfassende Weihe- und Befehlsgewalt in den einzelnen Hierarchiestufen ausübt. Ohne jetzt die segensreiche und pastorale Tätigkeiten vieler Priester zu übergehen, hat diese Zweiteilung der Getauften für viele Laien, also auch für Frauen, ein Gefühl der Minderbedeutung und des Untergeordnetseins erzeugt, was, im Verein mit dem Klerikalismus, wie in Papst Franziskus oftmals kritisierte, für immer mehr Katholiken zu einer inneren Emigration oder gar einem Verlassen der Kirche führte.

Hoffnung für die Zukunft

Jede Hoffnung muss vor dem Hintergrund der rechtlichen und faktischen Gegebenheiten gesehen werden:

  • Mit der Bibel liegt ein schriftliches Dokument vorliegt, welches aus bibelwissenschaftlicher Sicht immer wieder verbessert wird und hermeneutisch und exegetisch besser interpretiert werden könnte, aber nur zögerlich bis gar nicht wird.
  • Die Kirche ist zufolge ihrer (Real-)Verfassung eine absolutistische Monarchie mit in wesentlichen Bestimmungen praktisch unveränderbarer Glaubens- und Sittenlehre und schwer änderbarem kanonischen Recht ist. (Die unproblematische Streichung der Todesstrafe im Katechismus durch Papst Franziskus ist eine bemerkenswerte Ausnahme und zeigt, welche Macht der Papst hätte, aber aus guten Gründen nicht ausübt.)
  • Die katholische Kirche bezieht sich immer wieder auf die Tradition – wozu auch das Funktionsargument gehört – und hat mit diesem Rückbezug praktisch ihre Lehre versteinert. (Die Überhöhung der Tradition in der Instruktion Liturgiam authenticam, Nr. 37 brachte, als Beispiel für diese Versteinerung, die Revision der Einheitsübersetzung mit den Protestanten 2005 zum Scheitern.)

Wenn ich jetzt noch auf die Frage eingehe, was in dieser für die Frauen versteinerten Situation in absehbarer Zeit noch möglich ist, kann ich nur kurz und bündig sagen: Nicht sehr viel. Es ist allerdings nicht unrealistisch, dass irgendwann in den nächsten Jahren eine Weihe von Diakoninnen eingeführt wird; was diese Weihe an Aufgaben und Rechten beinhaltet, steht in den Sternen.

Wolfgang Oberndorfer, Pressbaum

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