Die Kraft der ersten Stunde

Die Liebe des Gottes, den ich vorher nicht kannte.

Am Anfang der Charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche stand ein überraschender Abend: Junge Menschen, die zu einem Einkehrwochenende zusammenkamen, wurden durch einen souveränen Akt Gottes auf eine lebensverändernde Art und Weise vom Heiligen Geist berührt. Über den besagten Abend berichteten viele der Anwesenden, dass er sehr unemotional ablief und sie einen großen Frieden erlebten. Es kam zu ersten Manifestationen von Charismen, ohne dass man darauf vorbereitet war.

Patti Mansfeld schreibt: „Manche haben damals die Gabe des Sprachengebets erhalten. Ich habe nicht in Sprachen gebetet, aber ich glaube, wir hätten sie damals alle erhalten, wenn wir gewusst hätten, wie wir diese Gaben einsetzen.“

Das Kerngeschehen an diesem Wochenende war aber nicht die Gabe der Charismen. Das Kerngeschehen, war die Offenbarung des Heiligen Geistes als die Liebe Gottes – als ganz persönliche Begegnung und Erneuerung. „Die Liebe Gottes, den ich vorher nicht kannte“ – so wurde später immer wieder von dieser lebensverändernden Begegnung berichtet.

Infolge dieser Erfahrung fanden viele Menschen eine neue Verwurzelung in ihrem Glauben, neue Lebendigkeit im Leben mit den Sakramenten und im Lesen der Heiligen Schrift, und eine ungekannte Fürsorge für den Nächsten. Aus einem kleinen Einkehrwochenende wurde ein großer Strom der Gnade. Man gab Zeugnis, bei den Zuhörenden wuchs eine Sehnsucht nach diesem lebendigen Gott. Man betete gemeinsam und machte die Erfahrung: Der Heilige Geist kommt, wenn wir ihn bitten.

Was ist die Taufe im Heiligen Geist? Vier Aspekte.

Was ist es nun, das wir „Taufe im Heiligen Geist“ oder „Erfüllung mit dem Heiligen Geist“ oder „persönliches Pfingsten“ nennen? Was ist diese Gnade, die der Herr der Charismatischen Erneuerung (CE) anvertraut hat, damit sie diese in der Kirche verbreitet? Manch einer fragt sich insgeheim: Bin ich im Heiligen Geist getauft? Woran erkenne ich, dass ich (frisch) mit dem Heiligen Geist gefüllt bin?

Nachfolgende vier Punkte wollen und können keine feste Definition sein, aber vielleicht eine Hilfestellung beim Beten und Nachdenken bieten. (Nach Alan Schreck und Charles Whitehead)

I.          Die Taufe im Heiligen Geist ist persönlich. Persönlich einerseits, weil sie durch eine innere Bereitschaft und persönliche Entscheidung, sich dem Wirken des Heiligen Geistes zu überlassen, grundgelegt wird; d.h. durch ein unmissverständliches und entschiedenes „Ja!“ zum Wirken des Heiligen Geistes. Sie ist andererseits persönlich, weil sie konkrete Auswirkung im je eigenen Leben hat. Mein Leben verändert sich.

II. Sie ist kraftvoll. Es werden Gnaden geschenkt, die einen spür- und sichtbaren Unterschied machen: Die Erfahrung der Liebe Gottes, ein neues Bewusstsein für die Gegenwart des Herrn oder auch physische Heilung können solche kraftvollen Geschenke sein.

III. Sie wird oft begleitet von Charismen, die aufbrechen. Dazu können die sogenannten leuchtenden Geistesgaben gehören, aber selbstverständlich auch die weniger offensichtlichen, aber nicht weniger wertvollen Gaben (vgl. z.B. Röm 12,6-8). Charismen werden oft im Kleinen geschenkt, und wachsen bzw. entwickeln sich durch Dienst und Übung.

IV. Die Taufe im Heiligen Geist ist eine gemeinschaftliche Gabe – und zwar in zweifachem Sinn: Die Gnadengabe der Taufe im Heiligen Geist wird meistens in Gemeinschaft erbeten und empfangen. Man denke da z.B. auch an die Pfingstsequenz als Gebet der Kirche. Und sie ist gemeinschaftlich, weil sehr viele Menschen nach diesem persönlichen Pfingsten die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten suchen, um miteinander zu beten, sich in einen Dienst zu stellen, ja, dieses neue Leben entschlossen gemeinsam zu gehen

Diese vier Aspekte (persönlich, kraftvoll, Charismen – begleitet, gemeinschaftlich) sind nicht zwangsläufig etwas, das in einem Moment in aller Fülle sichtbar wird. Vielmehr sehen viele Menschen rückblickend, dass eine Entscheidung getroffen und eine Erfahrung gemacht wurde, die mit kraftvollen Konsequenzen ihr Leben grundlegend verändert hat.

Ähnliches spiegelt sich in der Realität des ersten Pfingsten wider und wird etwa an Petrus sichtbar: Der Jünger, der Jesus dreimal verleugnet hat, predigt mit einer ungekannten Vollmacht, so dass sich unzählige Leute bekehren. In seinem Leben geschehen Evangelisation und Wunder, er lebt und dient in der Gemeinschaft der frühen Kirche und geht die Nachfolge Jesu bis zum Gefängnis und Tod. Oder man denkt an Paulus, der zuerst die Kirche verfolgt, Umkehr und eine Heilung von physischer und geistiger Blindheit erlebt und schließlich zu einem Lehrer und Verkünder wird, der unglaubliche Einsicht in den Reichtum der Geheimnisse Gottes hat.

Was sich an den beiden biblischen Gestalten besonders gut entdecken lässt ist, dass das Erfüllt-werden mit dem Heiligen Geist eine „Initialzündung“ ist, sozusagen der Start für etwas Neues. Derselbe Heilige Geist, der Petrus und Paulus berührt hat, wohnt mit derselben Kraft in uns, in seiner Kirche. Was er tut und wie er weht, liegt nicht in unserem Ermessen, aber ob – das liegt bei uns. Dabei kann es manchmal gut sein, das persönliche unmissverständliche und entschiedene JA für sein Wirken zu überprüfen und gegebenenfalls zu erneuern – auf dass seine lebendig machende Gnade uns neu erfüllen darf.

Ruth Brožek

Quellen:
Charismatische Erneuerung Österreich & Südtirol
Rundbrief der Charismatischen Erneuerung Österreich & Südtirol 02/20 PDF

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