Palmsonntag: Der Esel, der Feigenbaum und der Tempel – Es wird alles neu im Heiligen Geist

Hans Holbein der Ältere: Einzug Christi in Jerusalem

Erfüllt vom Heiligen Geist geht Jesus nach Jerusalem. Dort wird Gott angebetet und ihm werden Unmengen von Tieren geopfert. Als Netzwerker organisiert er sich einen jungen Esel, auf dem noch nie jemand gesessen ist. Es ist ein Tier des Friedens, auf dem er als erster sitzt. Es ist ein Neubeginn. Eine Neuschöpfung, wie es der Schöpfergeist macht. Die Jünger legen ihre Kleider auf das Tier und er setzt sich darauf. (Markus 11,7). Viele breiten ihre Kleider auf den Weg aus. Ein König kommt. Andere breiten Büschel auf dem Weg aus, die sie von den Feldern abgerissen hatten. Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, schwenken Palmzweige und rufen: „Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!“

Jesus will eine Sammlung der Menschen Israels und dieser Einzug in Jerusalem soll dafür ein Zeichen sein. Er zieht als Messias in Jerusalem ein, geht in den Tempel, schaut sich das alles an und verlässt die Stadt. Was ist geschehen? Sah er, dass er nur ganz wenige Juden überzeugen konnte, dass das Gebet und der Glaube an Gott wichtiger sind als der Tempelbetrieb? Wichtiger sind die Früchte des Glaubens?

Der Heilige Geist zeigt ihm, dass es prophetischer Zeichen braucht. Er sieht am nächsten Tag einen Feigenbaum, der keine Früchte hatte. Es ist nicht die Zeit der Feigenernte. Er sagt zum Feigenbaum: „In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen.“ Der Feigenbaum steht für den Tempelbetrieb, der keine Früchte trägt. Es war die Ansage, dass der Tempel keine Frucht mehr tragen wird. Am nächsten Morgen sehen die Jünger, dass der Feigenbaum bis zu den Wurzeln verdorrt ist. Das ist die Manifestation der Anwesenheit des Heiligen Geistes. Der Tempelbetrieb ist bis zu den Wurzeln verdorben.

Als Nächstes geht Jesus in den Tempel und vertreibt die Geldwechsler und die Opfertierhändler. Wenn jemand ein reines Opfertier braucht, dann muss er es in Tempelwährung kaufen. Die Umrechnung ist für die Banken ein gutes Geschäft. Auch die Preise für die Opfertiere, Schafe und Tauben, sind sehr hoch. Die Geldwechsler und die Opfertierhändler bereichern sich mit ihren Wucherpreisen an den Armen. Jesus belehrte sie: „Heißt es nicht in der Schrift: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein? Ihr habt daraus eine Räuberhöhle gemacht.“

Es geht ihm und dem heiligen Geist um die Sammlung der Beterinnen und Beter im Tempel. Das ist die Neue Schöpfung: ein Haus des Gebetes.

Der Einzug in Jerusalem, die Verfluchung des Feigenbaumes und die Vertreibung der Händler dienen dem Zweck, den Tempel zu einem Haus seines Vaters zu machen, in dem gebetet wird.

Gleich danach bringt das Markusevangelium seine Aufforderung: „Alles, worum ihr betet und bittet – glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil. Und wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt.“ (Markus 11,24-25) Die Anwesenheit Gottes zeigt sich, indem die Beterinnen und Beter im Heiligen Geist glauben, dass sie es schon erhalten haben, dass es schon da ist. Dann wird es ihnen zuteil.
Zum Vergeben braucht es eine Perspektive und einen Mediator. Die Perspektive ist Jesus und Gott Vater und der Mediator ist der Heilige Geist.[1]


[1] Diese Gedanken fand ich bei Michael Böhnke, Geistbewegte Gottesrede. Pneumatologische Zugänge zur Trinität. Freiburg 2021.

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