Frohe Ostern! Wer wälzte den Stein weg?

Jesu Leichnam wurde an einem Freitag in der Pessachwoche in ein Grab gelegt und mit einem Rollstein verschloss man das Grab. Der Evangelist Matthäus lebte in einer christlichen Gemeinde, deren Mitglieder im Alten Testament für Hinweise suchten, warum der Messias so furchtbar sterben musste. Sie sahen sich mit den frommen Juden sehr verbunden.

Sie erzählten von zwei Erdbeben. Das erste erfuhren sie beim Tod Jesu am Freitag und das zweite nach dem Sabbat, am ersten Tag der Woche, unserem Sonntag. Dass der Tempelvorhang vor dem Allerheiligsten dabei riss, berichtete neben Matthäus auch Markus.

In der östlichen Mittelmeergegend waren Erdbeben nicht ungewöhnlich. Man beschäftigte sich auch mit den Ursachen. Nach Thales von Milet waren Erdbeben dadurch bedingt, dass die Erde instabil, wie ein Schiff, auf dem Wasser schwimmt,- eine sehr ähnliche Erklärung wie die moderne Plattenverschiebung oder Plattentektonik. Das Ungewöhnliche bei Matthäus ist die Gleichzeitigkeit der Erdbeben mit dem Tod und der Auferstehung Jesu. Es stellt sich die Frage, ob der Tod und die Auferstehung des Gottessohnes so voll Kraft war, dass ein Erdbeben beide Ereignisse begleiteten.

Es gibt immer Physiker, die den Eingriff Gottes als Singularität betrachten. In ähnlicher Form gibt es im Universum Singularitäten wie die schwarzen Löcher, die autonom auftreten. Auch der Big Bang, der Urknall ist so eine Singularität. Ein Eingriff Gottes bei der Auferstehung oder bei der Zeugung seines Sohnes wäre keine Brechung irgendwelcher Naturgesetze, sondern punktuelle Einzigartigkeiten, die in unserem Weltbild nach Einstein möglich ist.

Alle vier Evangelien erzählen, dass der Stein, als Maria aus Magdala und die andere Maria in der Früh am Sonntag zum Grab gingen, weggewälzt war. Matthäus erzählt, dass es ein zweites gewaltiges Erdbeben gab, dass ein Engel kam, den Stein wegwälzte und sich auf den Stein setzte. Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. Aus Furcht vor ihm erbebten die römischen Wächter und „waren wie tot“.

Der Engel erklärt den Frauen, dass Jesus auferstanden ist, dass sie den leeren Platz im Grab sich ansehen und es den Jüngern sagen sollen. Lukas erzählt, dass den Frauen von den Frauen nicht geglaubt wurde. Erst als die Jünger selber zum Grab gingen, sahen sie, dass das Grab leer war. Wie den Frauen so erschien auch den Jüngern in Folge zum wiederholten Male Jesus als Auferstandener.

Die Wächter aber gingen in die Stadt und erzählten den Hohepriestern „alles, was sie gesehen hatten“. Diese gaben ihnen Geld, damit sie in Jerusalem erzählen, dass die Jesusjünger den Leichnam gestohlen hätten.

Es gab aber genug Augenzeugen vom leeren Grab.
Was geschah bei der Auferstehung und wie kann es sein, dass der ganze Körper mit Jesus zu Gott ging?

Da müssen wir den Blick weiten und darauf verweisen, dass Jesus von Anbeginn einen Begleiter hatte. Der Heilige Geist war bei seiner Zeugung, bei seinem Aufwachsen in seiner Familie, bei seinen Handlungen und auch bei seinem Leiden dabei. Vor allem die Lukasgemeinde, Paulus und die Johannesgemeinde beschäftigte der Heilige Geist. Wenn man diese Texte untersucht, dann kann man Folgendes sagen:
Der Heilige Geist ist die Kontinuität Gottes und die Manifestation der Anwesenheit Gottes in der Welt. Er verband den Sohn Gottes, der Mensch geworden ist mit seinem Vater „im Himmel“. Er schafft die Einheit Gottes. In diesem Verbinden ist er auch der, der im Universum und in der Welt die anwesende Schöpferkraft Gottes manifestiert, die das Geschaffene mit dem Urgrund, Gott, verbindet. Er kann aber auch neue Singularitäten und Räume schaffen, damit sich Gott offenbaren kann.

Insofern ist er bei der Auferstehung der Handelnde, der dem Sohn den Auferstehungsleib gibt und die menschliche Seite mit der göttlichen Seite vereinigt. Er schafft wiederum Einheit. Diese Einheit ist eine Neuschöpfung aus dem menschlichen Körper, seinen Erfahrungen und der zweiten göttlichen Person, dem Sohn Gottes.

Mit dieser Neuschöpfung ist Christus den Frauen und den Jüngern erschienen. Auch dabei ist der Heilige Geist begleitend dabei. Sie konnten Jesus nicht sofort erkennen. Er hatte jetzt den Auferstehungsleib.

Wer wälzte den Stein weg? Man kann sagen, dass es der Heilige Geist war, der für die Auferstehung Raum und mit Kraft etwas Neues schaffte, die Kontinuität und die Treue Gottes darstellte, Singularitäten schaffen konnte und der in der wandelnden Zeit die Anwesenheit Gottes bis heute repräsentiert.

Jesu Auferstehung nach Matthäus:

Die Frauen am leere Grab

1 Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. 4 Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot. 5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag! 7 Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.

Die Erscheinung des Auferstandenen vor den Frauen

9 Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. 10 Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.

Der Betrug der Hohepriester

11 Noch während die Frauen unterwegs waren, siehe, da kamen einige von den Wächtern in die Stadt und berichteten den Hohepriestern alles, was geschehen war. 12 Diese fassten gemeinsam mit den Ältesten den Beschluss, die Soldaten zu bestechen. Sie gaben ihnen viel Geld 13 und sagten: Erzählt den Leuten: Seine Jünger sind bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen. 14 Falls der Statthalter davon hört, werden wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr nichts zu befürchten habt. 15 Die Soldaten nahmen das Geld und machten alles so, wie man es ihnen gesagt hatte. Und dieses Gerücht verbreitete sich bei den Juden bis heute.
Mt 28,1-15

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